01 / Training

Was mit Krav Maga gemeint ist

Krav Maga wird als Selbstverteidigungssystem für zivile Anwender, Polizei und Militär unterrichtet. Diese Zielgruppen haben unterschiedliche Anforderungen. Privatpersonen wollen einen Angriff überstehen und sich der Situation entziehen können. Polizeiliche Ausbildung kann zusätzlich Festnahme und Kontrolle umfassen. Militärische Ausbildung folgt wiederum einem anderen Einsatzauftrag.

Auch innerhalb ziviler Schulen unterscheiden sich Lehrpläne und Unterricht. Manche legen großen Wert auf Fitness, andere auf technische Prüfungsprogramme oder auf Szenarien. Wer einen Kurs auswählt, sollte deshalb die tatsächlich vermittelten Inhalte ansehen. Die Bezeichnung sagt noch nicht, wie eine konkrete Stunde aufgebaut ist.

Krav Maga und moderne Combatives haben mehrere Berührungspunkte: einfache körperliche Mittel, ein Bezug zu Gewalt außerhalb des Sports und die Vorbereitung auf Belastung. Unterschiede entstehen vor allem bei der Auswahl und Vermittlung der Inhalte. Ein Vergleich wird dann interessant, wenn man dieselbe Ausgangssituation betrachtet.

02 / Training

Komplexe Abläufe unter Zeitdruck

Eine Technik kann bei einer langsamen Vorführung plausibel aussehen: Der Angriff erfolgt auf einer bekannten Linie, der Verteidiger führt mehrere Schritte aus und endet in einer festgelegten Position. Im freien Verlauf können die Voraussetzungen bereits nach der ersten Bewegung anders sein.

Das Problem liegt häufig in der Zahl der Bedingungen, die gleichzeitig erfüllt sein müssen. Der Griff muss an der erwarteten Stelle sitzen, die Entfernung muss stimmen und der Partner muss auf eine bestimmte Weise reagieren. Je mehr solcher Voraussetzungen ein Ablauf benötigt, desto genauer muss ihre Anpassung trainiert werden.

Urban Defense bevorzugt deshalb wenige grobmotorische Grundlagen. Die Teilnehmer sollen diese aus unterschiedlichen Anfangslagen anwenden und Übergänge erkennen können. Eine lange Liste einmal gezeigter Techniken ist für dieses Ziel weniger nützlich als wiederholte Arbeit an einem begrenzten Repertoire.

Das bedeutet nicht, dass ein geübter Mensch unter Stress grundsätzlich keine komplexe Bewegung ausführen könnte. Erfahrung verändert, wie viel bewusste Aufmerksamkeit für einen Ablauf nötig ist. Entscheidend ist, was die betreffende Person tatsächlich gelernt hat und unter welchen Bedingungen sie es bereits anwenden konnte.

03 / Training

Von der kooperativen Übung zum Widerstand

Kooperative Partnerarbeit ist beim Lernen einer neuen Bewegung sinnvoll. Der Beginn ist bekannt, der Partner lässt die Ausführung zu und beide können sich auf einen bestimmten Abschnitt konzentrieren. Auf dieser Grundlage lassen sich Bewegungsrichtung, Stand und Kontakt erklären.

Im weiteren Verlauf muss der Partner aber reagieren können. Er kann seine Position verändern, einen Griff anders halten oder nach einem unvollständigen Kontakt weiterbewegen. Dann zeigt sich, welche Teile der Technik auch unter diesen Bedingungen verfügbar bleiben.

ÜbungsformWas sie vermitteltWas hinzukommen muss
Bekannter Angriff, kooperativer PartnerBewegungsablauf und erste OrientierungReaktion auf veränderte Positionen
Bekannter Angriff mit WiderstandKörperliche Umsetzung gegen NachdruckErkennen eines nicht angekündigten Beginns
Wechselnde Angriffe und AnfangslagenAuswahl und AnpassungEinbettung in eine plausible Alltagssituation
Szenario mit GesprächsphaseWahrnehmung, Entscheidung und körperliche Handlung im ZusammenhangAuswertung und erneute Arbeit an erkannten Schwierigkeiten

Widerstand ist dabei mehr als ein besonders fester Griff. Der Partner muss einen verständlichen Ablauf verfolgen und auf Veränderungen reagieren. Wenn er die bekannte Lösung unbewusst unterstützt, bleibt ein Teil der Anwendung ungeprüft.

04 / Training

Fitness und Selbstverteidigung

Eine körperlich anstrengende Stunde kann Kraftausdauer und Belastbarkeit fordern. Schlagserien, Laufübungen oder andere Belastungen haben deshalb einen Platz im Training. Sie erzeugen jedoch nicht dieselbe Ungewissheit wie eine unerwartete Begegnung.

Nach vielen Wiederholungen kann eine Person erschöpft sein und trotzdem genau wissen, was als Nächstes kommt. In einem Gesprächsszenario kann dagegen bereits bei geringer körperlicher Belastung eine schwierige Entscheidung entstehen: Wird nur laut gesprochen, wird der Abstand unterschritten oder beginnt ein Angriff?

Für die Vorbereitung auf Selbstverteidigung müssen beide Bereiche verbunden werden. Die körperliche Ausführung soll auch bei Belastung gelingen. Gleichzeitig braucht die Person Erfahrung darin, den Beginn aus dem Verhalten des Partners zu erkennen und auf Veränderungen zu reagieren.

05 / Training

Was eine Untersuchung mit Polizeibeamten zeigt

Renden und Kollegen verglichen Polizeibeamte mit und ohne zusätzliche Kampfsporterfahrung. Zu den untersuchten Hintergründen gehörten Kickboxen, Karate/Jiu-Jitsu und Krav Maga. Die zusätzlich trainierenden Beamten zeigten unter hoher Angst bessere Leistungen. Auch bei ihnen sank die Leistung jedoch gegenüber der Bedingung mit weniger Angst. Der Vergleich betrifft diese Gruppen und Aufgaben; er ist keine Rangliste der Systeme. Renden et al., 2015.

Der Befund passt zu einer praktischen Beobachtung: Regelmäßige Arbeit mit Bewegung und Widerstand kann wertvolle Erfahrungen vermitteln. Für die Auswahl eines Kurses bleibt anschließend die Frage, ob die geübten Situationen zum eigenen Bedarf passen.

06 / Training

Gespräch, Nähe und Überraschung

Viele technische Übungen beginnen in einer vorbereiteten Stellung. Im Alltag kann ein Angriff dagegen aus einem Gespräch entstehen oder während man einer Tätigkeit nachgeht. Die Hände sind beschäftigt, der Körper steht seitlich oder die Person sitzt an einem Arbeitsplatz.

Ein Selbstverteidigungskurs sollte solche Anfangslagen aufnehmen. Der Übergang von der Tätigkeit zur Begegnung und schließlich zur körperlichen Reaktion verlangt zusätzliche Orientierung. Wer die Technik nur aus einer fertigen Kampfstellung kennt, hat diesen Übergang noch nicht geübt.

Auch Überraschung lässt sich unterschiedlich gestalten. Ein zufälliges Erschrecken erzeugt zunächst eine Reaktion. Ein sinnvoll aufgebautes Szenario stellt dagegen eine nachvollziehbare Situation her, in der die Person relevante Veränderungen erkennen und beantworten muss. So kann anschließend besprochen werden, welche Information eine Entscheidung ausgelöst hat.

07 / Training

Messerabwehr als besonderer Trainingsbereich

Bei Messerabwehr ist die Rolle des angreifenden Partners besonders wichtig. Bleibt er nach einer einzelnen Bewegung stehen, lässt sich fast jede anschließende Technik leichter darstellen. Ein tatsächlicher Verlauf kann wiederholte Bewegungen, wechselnde Entfernungen und fortgesetzten Druck enthalten.

Für die Beurteilung eines Angebots lohnt deshalb ein Blick auf Anfangslage und Fortsetzung. Wird eine sichtbare Drohung behandelt oder ein bereits begonnener Angriff? Weiß die Person vorab, dass ein Messer vorhanden ist? Was geschieht nach dem ersten Kontakt? Diese Unterschiede gehören zur Erklärung des Trainings.

Urban Defense bietet dafür eigene Messerabwehrseminare an. Die Inhalte werden auf Erfahrung und berufliche oder private Anforderungen der Gruppe abgestimmt.

08 / Training

Was im Probetraining erkennbar sein sollte

Ein Trainer sollte erklären können, woran in einer Übung gearbeitet wird. Das kann eine einzelne Grundbewegung, ein Übergang oder eine Entscheidung im Szenario sein. Die Teilnehmer brauchen genügend eigene Wiederholungen und Rückmeldungen, die sich im nächsten Versuch umsetzen lassen.

Fragen Sie auch nach dem weiteren Aufbau. Wann kommen wechselnde Partner hinzu? Wie werden Abstand und Beginn verändert? Wie geht der Unterricht mit unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen um? Ein fortgeschrittener Kurs muss nicht in der ersten Stunde gezeigt werden, seine Einordnung sollte aber verständlich sein.

Für Beschäftigte und Entscheider kommt die organisatorische Frage hinzu: Wie werden typische Begegnungen im Betrieb berücksichtigt? Ein Seminar für einen Empfangsbereich unterscheidet sich von einem Training für Rettungskräfte oder von individuellem Selbstschutz nach Feierabend. Die Inhalte sollten diese Unterschiede aufgreifen.

09 / Training

Der Schwerpunkt von Urban Defense

Urban Defense ist auf Selbstschutz und körperliche Gegenwehr ohne sportliches Regelwerk ausgerichtet. Das Training verbindet grobmotorische Grundlagen mit Entschlossenheit und der Arbeit an realistischen Anfangslagen. Die Teilnehmer sollen auf den Verlauf reagieren können und nach einem misslungenen Ansatz weiterhandeln.

Wer aus Krav Maga kommt, muss seine bisherigen Erfahrungen dafür nicht beiseitelegen. Im Training lässt sich feststellen, welche Bewegungen bereits gut verfügbar sind und welche Übergänge zusätzliche Arbeit brauchen. Das gilt ebenso für Menschen mit Box-, Ring- oder anderen Kampfsporterfahrungen.

Im Personal Training kann dieser Abgleich unmittelbar an den eigenen Voraussetzungen erfolgen. Für Gruppen werden die Schwerpunkte vorab besprochen und in ein gemeinsames Training eingebaut.

Quellen
  • Renden et al.: Zusätzliche Kampfsporterfahrung unter Angst
  • Renden et al.: Reflexbasiertes Training unter Druck